Warum wird das Trinkwasser in Rastatt teurer?

2013 wurden im Grundwasser der Region Rastatt perfluorierte Chemikalien entdeckt. Seitdem setzte die star.Energiewerke alles daran, das wichtigste Lebensmittel für die Bürger für die Zukunft zu sichern. Rund drei Millionen Euro haben wir bereits in Maßnahmen zur Trinkwassersicherung und zur Entfernung der PFC investiert, bis 2018 werden es rund acht Millionen sein. Da es bis dato keine finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand gibt und der Verursacher nicht haftbar gemacht werden konnte, sind wir zur wirtschaftlichen Absicherung des Unternehmens gezwungen, nun einen Teil der Maßnahmen über den Trinkwasserpreis zu refinanzieren. Die Preiserhöhung ist komplett der PFC-Beseitigung im Trinkwasser geschuldet.

Wo liegt der Preis dann im Vergleich zu anderen Kommunen?

Im landesweiten Vergleich waren die Rastatter Trinkwasserpreise in den vergangenen Jahren extrem günstig, auch weil die star.Energiewerke sehr effizient arbeiten. Doch selbst nach der Preiserhöhung, die ausschließlich der PFC-Problematik geschuldet ist, werden die Rastatter Trinkwasserpreise im günstigen Drittel der privatrechtlichen Versorger Baden-Württembergs liegen.

Wie hoch werden Haushalte künftig belastet?

Künftig muss ein durchschnittlicher Vier-Personen- Haushalt in Rastatt monatlich rund drei Euro mehr für Trinkwasser bezahlen. Der Bezugspreis je Kubikmeter – das sind 1.000 Liter – steigt von 1,64 Euro auf 1,86 Euro brutto.

Sind weitere Preissteigerungen zu erwarten?

Die star.Energiewerke investieren weiter in die Sicherung einwandfreien Trinkwassers für Rastatt. Aktuell wird das Wasserwerk Rauental mit einer speziellen Anlage ausgestattet, die PFC aus dem Rohwasser filtert. Gleichzeitig kämpft Olaf Kaspryk als Geschäftsführer um einen finanziellen Ausgleich für die Aufwendungen, die durch die PFC-Verunreinigungen entstanden sind. Eigentlich steht seiner Meinung hier das Land in der Pflicht, das für den Grundwasserschutz verantwortlich ist.

Warum bezahlen eigentlich nicht die Verursacher der Verunreinigung?

Anfang des Jahres 2017 hat die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen mögliche Verursacher der großflächigen PFC-Verunreinigung eingestellt. Das macht die Finanzierung der Folgenbeseitigung besonders kompliziert. Wir als Wasserversorger vertreten den Standpunkt, dass die Bürger der Region nicht für etwas aufkommen müssen, das andere verursacht haben. Bislang gibt sich auch die öffentliche Hand in Sachen finanzieller Unterstützung bedeckt, obwohl das Land für den Grundwasserschutz zuständig ist. Unser Geschäftsführer kämpft weiter für Gerechtigkeit.

Kann man das Wasser aus Rastatts Leitungen unbedenklich trinken?

Ja. Das Trinkwasser in Rastatt erfüllt alle Kriterien der Trinkwasserverordnung. Uns liegt die Qualität des wichtigsten Lebensmittels sehr am Herzen, das belegen auch die umfangreichen Sicherungsmaßnahmen.

Wie gefährlich sind PFC?

Das lässt sich nicht ganz genau sagen. Doch grundsätzlich gehören Chemikalien nicht ins Trinkwasser. Studien zeigen, dass PFC sich im Körper anreichern. Wissenschaftler sehen unter anderem Auswirkungen auf die hormonelle Entwicklung von Jugendlichen, die immunologische Entwicklung sowie den Schilddrüsenstoffwechsel.

Welche Maßnahmen wurden konkret zur Trinkwassersicherung in Rastatt ergriffen?

Aktuell wird Rastatt komplett aus dem Hauptwasserwerk Ottersdorf versorgt – dort ist das Grundwasser einwandfrei. Das Wasserwerk Rauental wird derzeit mit einer Anlage ausgerüstet, die künftig PFC aus belastetem Grundwasser filtern wird. Die Bauarbeiten laufen, voraussichtlich kann das zweite Wasserwerk im Laufe 2018 mit dieser Reinigungsmöglichkeit wieder in Betrieb gehen. Zusätzlich sichert eine neue Verbindungsleitung zum Wasserwerk Muggensturm der benachbarten Stadtwerke Gaggenau die Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser im Fall der Fälle.

Gibt es auch andernorts PFC-Belastungen im Grundwasser?

Ja, sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern sind PFC im Grundwasser festgestellt worden. Bereits zum zweiten Mal haben sich deshalb im März 2017 auf Einladung der star.Energiewerke Experten zu diesem Thema in Rastatt zusammengefunden. Sie haben sich auf einen, zunächst bundesweiten, Schulterschluss verständigt. Auf diese Weise entsteht ein Netzwerk von Experten, das Know-how bündelt, Betroffenen Gehör verschafft und zudem Impulse für die Forschung gibt.

Wie oft werden die PFC-Werte in unserem Trinkwasser überprüft?

Die Probenahmezyklen sind unterschiedlich. Einige Stellen werden monatlich beprobt, andere einmal im Quartal. Mehr Informationen dazu bekommen Sie unter: Was ist PFC

Weitere Infos: Vortrag von Olaf Kaspryk (Download)

Wie lange wird es dauern, bis das Wasser wieder rückstandsfrei ist bzw. die verseuchten Felder abgetragen sind?

Dazu können wir derzeit keine verbindliche Antwort geben. Wir snd auch mit externen Experten dabei, nach Lösungen zu schauen. Das ist deshalb so schwierig, weil es dazu noch keine Erfahrungen gibt. Weitere Informationen erhalten Sie unter: Aktuelles

Muss ich als stillende Mutter auf das Leitungswasser im Stadtgebiet Rastatt verzichten?

Nein, das brauchen Sie nicht! Das Wasser, das wir in die Leitungen einspeisen, ist nicht belastet bzw. liegt weiter unter den Leitwerten.

Welche PFC-Konzentrationen hat man im Riedkanal ermittelt?

Die Beprobung am 17.02.2015 am Abzweig Sandbach im Mühlbach hat ergeben: 0,29 µg/ Liter und 0,27 µg/ Liter Summenwert. Das war die erste Untersuchung der Fließgewässer. Der Einleitgrenzwert liegt bei 1,0 µg pro Liter.

Welche Zusätze werden dem Wasser beigefügt?

Wir verwenden keine Zusätze!

Zum Bewässern eines Erdbeerfeldes verwendete ich oberflächennahes Wasser aus dem Hausbrunnen. Sind entsprechende PFC-Werte bekannt, auch unter belasteten Flächen?

Bitte wenden Sie sich an den Landkreis Rastatt, das Amt für Umwelt. Diese Behörde hat einige Daten erhoben.

Bei der Blutuntersuchung von Mitgliedern der Bürgerinitiative „Sauberes Trinkwasser für Kuppenheim“ wurden PFC-Rückstände festgestellt. Sind auch in Rastatt Untersuchungen geplant?

Weil das Wasserwerk Ottersdorf nicht-belastetes Wasser in die Haushalte liefert, ist eine solche Untersuchung in Rastatt nicht notwendig.

Kann mit dem Trinkwasser der Stadt Rastatt noch Babynahrung hergestellt werden?

Selbstverständlich. Das Trinkwasser der Stadt Rastatt über das Wasserwerk Ottersdorf ist nicht belastet.

Sind PFC gefährlich für den Menschen?

„Menschen nehmen PFC hauptsächlich über die Nahrung oder über kontaminiertes Trinkwasser auf. Auch erhöhte Konzentrationen von PFC in der Innenraumluft, beispielsweise durch mit PFC behandelte Teppiche, tragen zur PFC-Belastung im Blut bei. Im Menschen binden sich PFC wie z.B. PFOS an Proteine in Blut, Leber und Nieren. Besonders kritisch zu bewerten sind die Weitergabe der PFC von der Mutter zum Kind während der Schwangerschaft und Stillzeit und die langsame Ausscheidung langkettiger PFC aus dem menschlichen Körper.“
(Quelle: Umweltbundesamt 2014)

PFC stehen laut Naturschutzbund im Verdacht, Erbgutschädigungen, Tumore und Krebs auszulösen. Allerdings liegen keine Studien vor, wie groß die Aufnahmemenge in welchem Zeitraum sein muss, um den Organismus von Menschen und Tieren weitreichend zu schädigen.

Was kann jeder Verbraucher tun?

In Rastatt kann jeder weiterhin unbedenklich das Wasser aus der Trinkwasserversorgung der star.Energiewerke nutzen.

Darüber hinaus sollte die Anwendung von PFC-Materialien im persönlichen Umfeld kritisch hinterfragt werden. Greenpeace rät, auf Textilsiegel beispielsweise vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft IVN zu achten. Auch bei Outdoor-Kleidung sei es möglich, eine Schadstoffbelastung zu vermeiden. Dazu zählten Jacken mit PFC-freien Imprägnierungen und Membranen. „Verbraucher sollten prüfen, ob sie eine Jacke für den Gipfelsturm oder den Spaziergang benötigen. Die schadstofffreien Jacken genügen fast immer“, so Manfred Santen, Chemieexperte bei Greenpeace (März 2014).

Wer hat den Schaden im Trinkwasser verursacht?

Woher das PFC in den Wasserfassungen der beiden Rastatter Wasserwerke kommt, ist noch unbekannt. Die zuständigen Behörden, darunter die Staatsanwaltschaft, ermitteln. Derzeit gibt es zwei Ansätze:

1. Bei dem PFC im Grundwasserzulauf zum Wasserwerk Ottersdorf kann es sich um Rückstände von Löschschaum handeln, der vor einigen Jahren bei einem Brand im Einsatz war und der über das Erdreich in das Wasser gelangt ist.

2. Das Umweltministerium Baden-Württemberg geht davon aus, dass zwischen 2006 und 2008 in größeren Mengen auf Flächen im Stadtkreis Baden-Baden sowie in den Landkreisen Rastatt und Karlsruhe Papierschlämme in Kompost beigemischt und ausgebracht wurden. Diese Beimischungen seien weder nach der Düngemittelverordnung noch nach der Bioabfallverordnung zulässig, also rechtswidrig, so der Umweltminister Franz Untersteller (veröffentlicht am 29.7.2014 auf der Internetseite des Ministeriums). Das Ministerium lässt durch die LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz) gezielt Boden- und Grundwasserproben untersuchen. Franz Untersteller: „Im Moment müssen wir nicht von einer Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung ausgehen. Aber es handelt sich hier dennoch um kein Kavaliersdelikt, um das ganz klar zu sagen. Das ist weder tolerierbar noch ist es erledigt – auch nicht nach sechs oder acht Jahren.“ Gegen ein Unternehmen im Landkreis Rastatt, das im Verdacht steht, für die Beimischungen von Papierschlämmen in Kompost verantwortlich zu sein, laufen Ermittlungen.

Wie kann ein Verursacher ermittelt werden?

Um den Verursacher zu lokalisieren, laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen zur Beweissicherung, unter anderem auf der Basis von Messdaten und Zeugenaussagen.

Auch ein Grundwassersimulationsmodell der Stadtwerke Karlsruhe soll helfen, den Herd des PFC-Eintrags zu ermitteln. Ihr Modell simuliert für die Gesamtregion die Grundwasserströme nach Fließrichtung und Geschwindigkeit. Das Ergebnis steht noch aus. „Grundwasser fließt pro Jahr im Durchschnitt 400 bis 500 Meter“, erklärt Olaf Kaspryk, „von daher kann die Ursache schon Jahre zurückliegen.“ Nachdem jetzt die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden ist, laufen auch polizeiliche Ermittlungen.

Was wird die Schadensbereinigung in Rastatt und Umgebung kosten und wer trägt die Kosten?

Noch gibt es keine zuverlässigen Zahlen, wie hoch die Kosten für die Sanierung sein werden. Allein in Rastatt gehen die star.Energiewerke von mehreren Millionen Euro aus. Bei der Sitzung der Koordinierungsgruppe PFC wurde im gemeinsamen Auftrag der Stadt Baden-Baden und des Landkreises Rastatt ein Fachbüro für die anstehende Sanierungsplanung eingeschaltet. Dabei wird es insbesondere um das Aufzeigen wirksamer Sanierungsmöglichkeiten für die unterschiedlichen Belastungsherde gehen. Die Kosten werden sich die beiden Kreise teilen. Parallel sollen der/ die Verursacher ermittelt werden, um Schadensersatzansprüche zu stellen. Auch das Land Baden-Württemberg bringt sich finanziell ein.

Wie finde ich heraus, ob mein Acker belastet ist? Was muss ich im Schadensfall tun? Wer zahlt den Schaden?

Bitte wenden Sie sich dazu an das zuständige Landratsamt Rastatt.
Kontakt: Kunden-Service-Center, Am Schlossplatz 5, 76437 Rastatt
Telefon: 07222 381-0
kunden-service-center@landkreis-rastatt.de

Baden-Badens OB Mergen und Landrat Bäuerle waren in Stuttgart beim Ministerium wegen PFC. Warum war Rastatts OB Pütsch nicht dabei?

Frau OB Mergen war in ihrer Funktion als Repräsentantin des Stadtkreises Baden-Baden (nicht zu verwechseln mit der Stadt Baden-Baden) vertreten; der Landrat für den Landkreis.

Kann ich noch unbedenklich Obst und Gemüse von den Hofläden in Rastatt und Baden-Baden kaufen?

Das müssen die zuständigen Behörden klären bzw. definieren, wie das Landratsamt Rastatt. Wir halten Sie auf dem Laufenden. 

Wer ist denn nun der Verursacher?

Dies ist noch nicht geklärt und bedarf u.a. einer juristischen Prüfung.

Wie sind die Messwerte?

Frage von Ekkehard Stahlberger.

Unsere Antwort:

Gerne veröffentlichen wir die Entwicklung der Messwerte bzw. die dazu gehörenden Grafiken. Wir sind uns bewusst, dass das Verständnis für diese Schautafeln sehr schwer ist. Die Interpretation der Werte ist in unsere Information auf dieser Seite allgemein verständlich eingeflossen. Die Grafiken veröffentlichen wir hier aus Dokumentationsgründen und auch auf Nachfrage von interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Zitat aus der Mail eines Rastatter Bürgers:
"Ich bin der Meinung, nur ehrliche Fakten, wie Sie durch die Messungen im Jahr 2013 begonnen haben, nützen uns allen. Durch die umsichtige Messung im Jahre 2013 haben Sie viele im Landkreis vor weiteren gesundheitlichen Einschränkungen bewahrt und arbeiten sehr positiv an der Vermeidung weiterer Beeinträchtigungen. Auch damit, dass das Rauentaler Wasserwerk bei 0,3 µg/l "aus dem Verkehr gezogen" wurde, haben Sie bewiesen, dass bei Ihnen ordentlich und umsichtig gearbeitet wird und man sich nicht hinter Richtwerten versteckt. Sie können nichts für die Messwerte, sondern leiden wie viele andere darunter."

Warum wird der Leitwert nur für PFOA und PFOS in den Grafiken herausgestellt?

Das langkettige PFHpA in Rauental müsste doch auch dazugezählt werden, unter der Annahme dass die langkettigen PFC's die Schädlicheren sind.

Frage von Ekkehard Stahlberger.

Unsere Antwort:

Der Gesundheitliche Leitwert für die Summe aus PFOA und PFOS beträgt 0,3 µg/l und ist somit der niedrigste. In einer separaten Abbildung werden auch die anderen relevanten Substanzen dargestellt. Über die Darstellung des Bewertungsindex’ werden alle relevanten Substanzen berücksichtigt.

PFHxS und das PFPeS in Ottersdorf sind kurzkettig, haben aber 0,3 als Leitwert. Stimmt das bzw. woher kommt das?

Frage von Ekkehard Stahlberger.

Unsere Antwort:

PFHxS (langkettig) und PFPeS (kurzkettig) besitzen einen GOW von jeweils 0,3 µg/L (keinen Leitwert). Dies liegt an unterschiedlichen TDI-Werten (= Tolerable Daily Intake). Die Bewertung/Einstufung wird durch Toxikologen des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) bzw. die Trinkwasserkommission vorgenommen.

Was bedeutet der Bewertungsindex bzw. wie wird der gebildet? In Rauental liegt der immer über dem Summenwert.

Frage von Ekkehard Stahlberger.

Unsere Antwort:

Wegen der unterschiedlichen gesundheitlichen Orientierungs- bzw. Leitwerte der PFC-Einzelsubstanzen ist der PFC-Summenwert zur Risikoabschätzung nicht geeignet. Stattdessen wird für jede gefundene PFC-Einzelsubstanz der Quotient aus gemessenem Wert und zugehörigem gesundheitlichen Orientierungs- bzw. Leitwert errechnet (= Ausschöpfungsgrad des für die jeweilige Substanz gesundheitlich unbedenklichen Wertes). Die einzelnen Quotienten werden dann addiert und bilden so die Quotientensumme (gelegentlich auch "Bewertungsindex" genannt).

Ist diese Quotientensumme "kleiner oder gleich 1", so ist das betreffende Trinkwasser lebenslang für alle Personengruppen gesundheitlich duldbar. Bei einer Quotientensumme "größer 1" ist dies nicht mehr der Fall, abhängig von der Höhe der Werte ist das betreffende Wasser aber möglicherweise für kürzere als lebenslange Zeiträume noch verwendbar.

Aktuelles

PFC Schadenfälle: nationale und internationale Schadensfallübersicht

Das Steinbeis-Transferzentrum Mittelstand hat als „Hilfe zur Selbsthilfe“ eine PFC-Schadenfallübersicht erstellt.

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